08.06.2012: Französisches Musketeer bei der Lacrosse EM in Amsterdam
Die Mainz Musketeers befinden sich zur Zeit in der Sommerpause. Seit Anfang Juni ist zunächst nur lockeres Training und Grundlagen Schaffen vorgesehen. Doch für einen Musketeer ist keine Pause möglich. Vincent Bouchet fährt Anfang kommender Woche zu den Europameisterschaften nach Amsterdam, um für sein Heimatland Frankreich die nationalen Farben zu vertreten. Wir haben mit Vince über seinen Start in den Lacrossesport und die kommende Europameisterschaft gesprochen.
Musketeers: Und Vince, schon aufgeregt?
Bouchet: Klar und wie. Schon die letzten Monate waren sehr aufregend, in denen es um die Planung und Organisation ging.
M.: Wie lief die Organisation im französischen Team denn so ab?
B.: Nach der letzten Weltmeisterschaft in Manchester gab es im Team einen ziemlichen Bruch, daher war anfangs gar nicht klar, wer denn die Organisation übernehmen wird. Nach alter französischer Gelassenheit wurde da gehandelt. Ich habe mich dann letztendlich darum gekümmert, dass die Planungen voran gehen, den Kontakt zu den Spielern gesucht und die Tour organisiert.
M.: Das heißt, du/ihr habt alles selber organisieren müssen?
B.: Ja, das ist in Frankreich beim Lacrosse noch so. Wir müssen zudem auch alles selber bezahlen, da wir auch keinen Sponsor haben, der uns unterstützt.
M.: Wenn du dich dann um die Organisation gekümmert hast, bist du dann einer der Erfahreneren im Team? Und seit wann bist du aktiv?
B.: Ja, das kann man so sagen, ich spiele nun seit 5 Jahren Lacrosse, habe damals einen Flyer in einer Kneipe gefunden und bin sofort zum Probetraining. Das war schon eine Blitzkarriere. Gleich im ersten Jahr spielten wir mit den Musketeers in der Bundesliga West und schon im Sommer 2008 fuhr ich als Nationalspieler für Frankreich nach Lahti zu unserer ersten Europameisterschaft.
M.: Und wie habt ihr abgeschnitten?
B.: Wir sind damals 17. von 18 teilnehmenden Mannschaften geworden. Aber das Hauptziel war auch zunächst zu zeigen, dass wir dazu gehören und dass Erfahrungen mit nach Frankreich genommen werden, um uns auch national weiterzuentwickeln.
M.: Wie ging es dann mit dem französischen Lacrosse weiter?
B.: 2010 bei der Weltmeisterschaft in Manchester wurden wir 27. von 30 Mannschaften, hatten uns allerdings mehr vorgenommen. Nach der WM ging ein kleiner Bruch durch unser Team und wir stehen quasi dieses Jahr wieder auf der Stufe von 2008, da wir es versäumt haben den nationalen Verband weiterzuentwickeln. Der Fokus soll ab der kommenden Spielzeit allerdings mehr darauf gelegt werden und es soll zum ersten Mal eine richtige Meisterschaft ausgespielt werden. Ich denke nur mit national guten Strukturen hat Lacrosse in Frankreich und auch Frankreich im internationalen Lacrosse eine Chance sich zu entwickeln und auch erfolgreich zu sein.
M.: Wie entwickelt sich der Lacrossesport denn in Frankreich?
B.: Wie gesagt war der Fokus bisher immer darauf ausgerichtet, dass unser Nationalteam dabei ist und der Verband wurde vernachlässigt. Nun entstehen aber in weiteren Städten Lacrosseteams und eine Meisterschaft ist in Planung. Die Städte in denen vor 5 Jahren alles begann, waren Lille und Paris, nun sind noch Nevers, Lyon, Briancon und Rouen hinzu gekommen.
M.: Mit welchen Nationen spielt ihr denn in einer Gruppe? Wie sind eure Chancen in der Gruppe und wo landet Frankreich am Ende?
B.: In unserer Gruppe spielen noch Wales, Norwegen, Israel und die Slowakei. Wenn alles klappt, können wir gegen die Slowaken mithalten. Israel spielt sein erstes internationales Turnier, wird aber von vielen Amerikanern unterstützt. Norwegen wird uns körperlich überlegen sein und die Waliser sind auch sehr erfahren. Wir konnten zudem auch noch nicht mit der gesamten Mannschaft trainieren. Wahrscheinlich spielen wir gegen Belgien um den letzten Platz, wenn alles gut geht können wir vielleicht 14. werden.
M.: Amerikaner im Nationalteam von Israel?
B.: Ja, man muss nicht unbedingt die französische Staatsbürgerschaft besitzen, um für Frankreich zu spielen. Es reicht, wenn man entfernte Verwandtschaft hat. Es gibt auch die Regelung, falls man sich um das nationale Lacrosse verdient gemacht hat, bei der Entwicklung geholfen hat, kann man auch für Frankreich spielen. In Frankreich haben wir es so geregelt, dass maximal vier Nicht-Franzosen mitspielen dürfen, maximal sieben, die nur eine Verwandtschaft nachweisen können aber die restlichen zwölf müssen Franzosen sein.
M.: Ein Team besteht also aus 23 Spielern?
B.: Genau, obwohl unser Team mit nur 17 Spielern nach Amsterdam fährt. Die Kosten für dieses Turnier und der Zeitpunkt sind nicht optimal für die Gastmannschaften. Gerade für Teams wie unseres, das sich selbst alles finanzieren muss. Auch Polen, Österreich und Dänemark hatten damit Probleme und werden leider nicht anreisen. Es ist natürlich toll, dass die Eröffnung im Olympiastadion von Amsterdam stattfindet, aber dies ist auch mit zusätzlichen Kosten verbunden, die nun anderen Teams es erschwert, in den Niederlanden anzutreten.
M.: Meinst du, dass die Erfahrung, die du in Amsterdam sammeln kannst, auch den Musketeers zum Vorteil dient?
B.: Ich hoffe schon. Ich nehme auf jeden Fall viel Spielerfahrung mit und messe mich mit einigen der besten aus Europa. Zudem kommen zu den Europameisterschaften auch immer Amerikaner, wie dieses Jahr Weltmeister Mike Powell, die dann noch zusätzlich Know-How mitbringen und das auch in Kursen weitergeben.
M.: Vince, wir wünschen dir alles Gute und viel Erfolg in Amsterdam.
Die Europameisterschaft startet am 20.06. mit dem Eröffnungsspiel Niederlande gegen Deutschland. Weitere Information über die Europameisterschaften findet ihr unter http://www.europeanlacrosse.or g/.




